Hallo Modding-Fans und willkommen zu Teil 2 unserer Miniserie „Wie man seiner Uhr Patina verleiht“. Patina ist die natürliche Art, Uhren mit den Jahren schöner aussehen zu lassen und ihnen einen verwitterten Look zu verleihen, der Uhrenliebhaber begeistert. Es ist schon etwas paradox, dass ein Kratzer oder eine Delle eine Uhr in unseren Augen weniger wertvoll erscheinen lässt, während ein antikes Stück, das durch jahrelangen Kontakt mit Meerwasser oder Säure buchstäblich korrodiert ist, ein wahres Schmuckstück darstellt. Wir machen die Regeln nicht, aber wir stimmen dem voll und ganz zu.

Im ersten Teil dieser Miniserie ging es darum, wie man mit Chemikalien den Alterungsprozess von Edelstahl- und Bronzeuhren beschleunigen kann. Jetzt zeigen wir Ihnen, wie Sie die Alterung von Zifferblättern und Zeigern in wenigen Minuten komprimieren können, sodass Ihre Uhr aussieht, als wäre sie schon jahrelang in Ihrem Besitz, obwohl Sie sie erst kürzlich modifiziert haben.

Genug der Vorrede, lasst uns direkt zu den Mods kommen!

Wie man einem Zifferblatt eine künstliche Patina verleiht

Um mit der Alterung oder künstlichen Patina eines Zifferblatts zu beginnen, benötigen Sie einige wichtige Materialien und Grundkenntnisse über die Temperatureinstellungen Ihres Backofens. Zuerst sollten Sie Folgendes bereithalten: ein Zifferblatt, das Sie altern lassen möchten, trockenen, gebrauchten Kaffeesatz (vorzugsweise eine mittlere Röstung einer beliebigen Supermarktmarke), einen Backofen und Uhrmacherwerkzeuge wie Pinzette, Blasebalg und Rodico.

Bevor Sie mit dem eigentlichen Vorgang beginnen, ist es wichtig, die richtige Ofentemperatur zu ermitteln. Die Leistung von Backöfen kann je nach Marke und Modell stark variieren, daher ist ein Vortest unerlässlich. Heizen Sie Ihren Ofen zunächst auf moderate 120 °C vor. Verteilen Sie anschließend etwa 30 ml trockenen, gebrauchten Kaffeesatz gleichmäßig auf einem Backblech. Stellen Sie das Blech in den Ofen, lassen Sie die Uhr aber vorerst weg. Warten Sie etwa 5 Minuten, um zu sehen, ob der Kaffeesatz zu rauchen beginnt. Falls nicht, erhöhen Sie die Ofentemperatur schrittweise um 10 Grad und warten Sie weitere 5 Minuten.

Setzen Sie diesen Vorgang fort, bis Sie beobachten, dass der Kaffeesatz raucht. Beachten Sie, dass dieser Rauchpunkt die obere Temperaturgrenze für die Reifung darstellt und während des gesamten Prozesses unbedingt nicht überschritten werden darf.

Das Zifferblatt mit Kaffee altern lassen

  1. Vorbereitung des Zifferblatts: Heizen Sie Ihren Backofen auf eine etwas niedrigere Temperatur, etwa 100 °C oder 210 °F, vor. Nehmen Sie das Zifferblatt und legen Sie es mit der Vorderseite nach unten auf das Kaffeepulver, sodass es vollständig Kontakt damit hat, aber nicht vollständig bedeckt ist.
  2. Backvorgang starten: Den Drehknopf vorsichtig in den vorgeheizten Ofen einsetzen und zunächst 10 Minuten backen lassen.
  3. Allmähliche Temperaturerhöhung: Überprüfen Sie nach dieser anfänglichen Backphase die Farbe des Zifferblatts. Zu diesem Zeitpunkt sind üblicherweise noch keine deutlichen Veränderungen der Patina zu erkennen. Erhöhen Sie die Temperatur alle 10 Minuten langsam um 5–10 °C.
  4. Überwachen und Anpassen: Beobachten Sie kontinuierlich die Farbe des Drehknopfes und passen Sie die Temperatur nach Bedarf schrittweise an, um die gewünschte Patina zu erzielen. Achten Sie darauf, dass die Hitze nicht zu hoch wird, da sonst die Farbe des Drehknopfes beschädigt werden kann. Verwenden Sie das „Rauchen des Kaffees“-Signal, um zu prüfen, ob Sie die Hitze reduzieren sollten.
  5. Letzter Schritt: Sobald die gewünschte Patinafarbe erreicht ist, nehmen Sie den Drehknopf aus dem Ofen und reinigen Sie ihn, solange er noch heiß ist. Entfernen Sie vorsichtig mit einem Blasebalg eventuell anhaftende Kaffeereste und verwenden Sie Rodico für hartnäckigere Verschmutzungen.

Diese Schritte verleihen Ihrem Zifferblatt einen Vintage-Look. Für eine dunklere Patina können Sie die oben beschriebenen Methoden mit frischem, trockenem Kaffeesatz wiederholen. Um natürliche Flecken zu imitieren, verwenden Sie leicht feuchten Kaffeesatz. Gehen Sie dabei stets vorsichtig und geduldig vor, um optimale Ergebnisse zu erzielen und das Zifferblatt nicht zu überhitzen oder zu beschädigen.

Quelle: Jaeiger, WatchUSeek

Kommen wir nun zu den Händen.

Wie man Uhrenzeigern eine künstliche Patina verleiht

Das Altern der Zeiger, um den perfekten Vintage-Look zu erzielen, ist der nächste Schritt in unserer Reihe von Patinierungstechniken und ähnelt der Methode, die wir für das Zifferblatt verwendet haben. Sie sollten mittlerweile etwas Übung darin haben!

Wie wir alle wissen, liegt der Teufel im Detail. Ein wunderschön gealtertes Zifferblatt ist zwar ein echter Hingucker, wirkt aber in Kombination mit brandneuen Zeigern etwas deplatziert. Daher konzentrieren wir uns in diesem Abschnitt darauf, die Zeiger so zu altern, dass sie zu dieser reizvollen Patina passen.

Methode 1: Verwendung von flüssigem Kaffee

Diese Methode erzielt eine schöne Patina, während die Leuchtkraft erhalten bleibt. Legen Sie die Hände zunächst stabil auf eine ebene Fläche. Tragen Sie anschließend flüssigen Kaffee, vorzugsweise gefilterten, auf die Hände auf. Sie haben zwei Möglichkeiten: Entweder tragen Sie den Kaffee präzise mit einem Holzstäbchen oder Zahnstocher auf die Leuchtfläche auf oder verwenden einen Pinsel mit spitzer Spitze. Legen Sie die Hände nach dem Auftragen für 20 Minuten bei 120 °C (248 °F) in den Backofen. So kann sich die Farbe des Kaffees auf den Händen absetzen. Sollten Kaffeeflecken über die Leuchtfläche hinausragen, ist das kein Problem. Diese lassen sich einfach mit einem feuchten Wattestäbchen und anschließend mit einem Tuch abwischen. Zum Schluss können Sie mit etwas Reinigungspulver (z. B. Rodico) eventuelle Kaffeereste entfernen.

Methode 2: Tiefe Patina

Quelle: Jaeiger, WatchUSeek

Für eine tiefe und unverwechselbare Patina eignen sich trockene Kaffeebohnen am besten. Wie schon bei den Zifferblättern müssen Sie die Temperatur ermitteln, bei der die Kaffeebohnen zu rauchen beginnen. Beginnen Sie mit einer niedrigen Temperatur und erhöhen Sie diese allmählich, bis der Kaffee raucht. Legen Sie die Hände mit der Handfläche nach unten auf die Kaffeebohnen und lassen Sie sie nur 5 Minuten lang köcheln, um eine dunkelbraune Patina zu erhalten. Ziel ist es, eine ausdrucksstarke Patina zu erzielen, ohne die Hände mit zu viel Ruß zu überziehen.

Experimentieren Sie mit diesen Methoden, insbesondere wenn Sie die Farbe Ihres Zifferblatts an die der Zeiger anpassen möchten. Sie können Einstellungen wie Temperatur und Dauer verändern, um eine etwas intensivere oder hellere Patina zu erzielen.

Am Ende erhalten Sie Zeiger, die perfekt zu Ihrem gealterten Zifferblatt passen und einen harmonischen Vintage-Look erzeugen.

Brandneuer Vintage-Teil 2

Wenn Sie einfach nur diese cremige, patinierte Leuchtmasse erzielen möchten, ohne Zifferblatt und Zeiger aufwendig zu erhitzen (und dabei möglicherweise zu beschädigen), schauen Sie doch mal in unserem Vintage-Leuchtkatalog vorbei. Dort finden Sie Zeiger und Zifferblätter mit bereits gelblicher Leuchtmasse, die dennoch hell leuchtet. Wir bieten Ihnen Schwertzeiger, Snowflake-Zeiger, Vintage-Zifferblätter im Barakuda- und Khaki-Field-Stil und vieles mehr für Ihre Vintage-Modding-Projekte.

Einpacken

Das war's, liebe Uhrenmodder! Wir sind am Ende unserer zweiteiligen Reise in die Welt des coolen Vintage-Looks für eure Uhren angelangt. Ihr habt gesehen, wie ein bisschen Abnutzung eure Uhr sogar noch attraktiver machen kann, und wir hoffen, es hat euch inspiriert, noch mehr mit euren Uhren zu experimentieren.

Zum Abschluss dieses Kapitels über Patina sollten wir nicht vergessen, dass es nicht nur um die Optik geht, sondern auch um die Geschichten hinter den Gebrauchsspuren und Flecken. Jede einzelne erzählt eine Geschichte aus dem Leben Ihrer Uhr.

Das war wohl der zweite Teil unserer zweiteiligen Serie, aber keine Sorge! Wir arbeiten ständig an neuen Anleitungen, damit ihr beim Modding immer auf dem neuesten Stand bleibt. Freut euch auf weitere Anleitungen, Rezensionen und Meinungen zur Uhrenwelt – und viel Spaß beim Modding!

September 12, 2023 — Jeremiah A

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